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Erste Hilfe bei Stimmproblemen
Was Sie tun können und was sie unbedingt lassen sollten. Mit Tipps vom Hausarzt für den Ernstfall.
Zählen International
Man glaubt gar nicht, wie verschieden in der Welt mit den Fingern gezählt wird. Das fängt schon bei der 'Eins' an.
Gelassen & Souverän
Ganz ohne Lampenfieber geht es nicht. Aber Entspannungsübungen helfen gegen Nervosität, Tunnel- blick und blackouts.
Den längeren Atem haben
Richtig zu atmen ist die Voraus- setzung für gutes, entspanntes Sprechen und eine wirkungsvolle, überzeugende Stimme.
Beziehen Sie Stellung!
Der Körper spiegelt Empfindungen, Gedanken, Einstellungen und Ge- wohnheiten. Entdecken und ent- spannen Sie Ihre Körperhaltung.  
...damit es stimmig ist...
Die Stimme ist ein sensibles Instrument, mit der man pfleglich umgehen muß, damit sie lange gut klingt - aber was bedeutet das?

Erste Hilfe bei Stimmproblemen

An wen ich mich wenden kann

Bei anhaltender Heiserkeit (Ständiges Räuspern) oder längerem Kloßgefühl im Hals (evtl. in Verbindung mit Schluckbeschwerden) sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Der Spezialist für diesen Bereich ist der Phoniater. Bei ihm bekommen Sie ein qualifiziertes Gutachten über Ihre Gesundheit. Die Therapie übernimmt der Sprecherzieher oder auch der Logopäde.

So bekommen Sie vom Facharzt einen medizinisch fundierten Befund und vom routinierten Praktiker die Behandlung. Am besten wäre natürlich, wenn Phoniater und Logopäde zusammenarbeiten würden, weil dann der eine um Wissen und Methode des anderen weiß.

Die nachfolgenden Tipps können keinesfalls schaden und werden Ihren Wissensschatz bereichern, können aber auf keinen Fall einen eventuell nötige professionelle Beratung ersetzen.

 

Kurz Husten statt Räuspern

Wenn der Raum schlecht durchlüftet ist. Wenn der Saal voller Leute ist oder bei trockener Heizungsluft ist die Luftfeuchtigkeit im Raum viel zu niedrig: Das geht mächtig auf die Stimmbänder. Die wehren sich gegen das Vertrocknen, indem sie Schleim produzieren. Dieser stört uns beim Sprechen. Um die Stimme wieder frei zu bekommen, kann man kurz und kräftig husten. Räuspern ist absolut falsch. Räuspern versetzt die Stimmlippen (= Stimmbänder) in heftige Schwingung; sie schlagen hart aneinander. Das reizt sie noch mehr und gibt noch mehr Schleim - also das umgekehrte Ergebnis von dem, was wir mit unserem Verhalten erreichen wollten. Deshalb: Husten.

Dem Austrocknen der Stimmlippen kann man entgegenwirken, indem man vermehrt durch die Nase einatmet. Im Vorfeld des Auftritts sollten Sie außerdem unbedingt genügend trinken und ein Glas Wasser auf das Rednerpult stellen...mehr zu Stimme

 

Bei Stress: Ausatmen

Bei Nervosität vor dem Auftritt noch einmal kräftig Luft holen? Bloß nicht!
Viel wichtiger ist es auszuatmen. Das Problem ist zuviel Luft, da wir unter Druck unwillkürlich tiefer einatmen als gewöhnlich.

Im Laufe der Evolution hat unser Körper gelernt, dass in Stresssituationen entweder davonlaufen oder zuschlagen das adäquate Verhalten ist. Wer kräftig einatmet und noch dazu in Brust und Schultern - steigert seine körperliche Anspannung noch weiter und hat beim Sprechen Stress damit, die viele Luft wieder loszuwerden. Wenn sich Sprintläufer vor dem Start so richtig aufpumpen, dann ist das ja ganz angemessen: Sie wollen ja so schnell wie möglich weg vom Fleck. Der Redner etwa auch? Darüber hinaus ist die falsche Atmung und damit die viel zu hohe körperliche Anspannung verantwortlich für zahlreiche Stimmprobleme. Weitere Informationen zum Thema Atmung.

 

Auf Dauer schädlich: Zu laut und zu hoch sprechen

Mächtig viel Engagement bei der Rede? Starke Emotionalität beim Diskutieren und Debattieren? Das Gefühl, sich nicht durchsetzen zu können, wenn man stimmlich nicht noch ein Pfund draufsetzt?Wenn ja, dann ist die Wahrscheindlichkeit groß, dass Sie zu laut und von der Stimmlage her zu hoch sprechen. Das ist dann so, als wenn Sie mit Ihrem Auto permanent im roten Drehzahlbereich fahren.

Wer dauerhaft seine Stimme überfordert, riskiert einen bleibenden Stimmschaden (Hyperfunktionelle Dysphonie): Anhaltende Heiserkeit oder ein irreversibler "Knacks" in der Stimme – also Brüchigkeit und unkontrolliertes Überschlagen oder Wegbrechen. Mit weicher, kräftiger Stimme werden Sie jedenfalls nicht mehr auf Ihre Umwelt einwirken können. Auch Nervosität vor und in der Sprechsituation können dieses stimmschädigende Verhalten hervorrufen.

Was tun? Dieses Problem ist dauerhaft nicht ohne weitreichende Verhaltensänderungen zu lösen. Unsere Stimme ist nicht losgelöst vom Rest: Unserem Körper und unseren Einstellungen, also den Haltungen mit denen wir körperlich und mental auftreten. Nur grundlegende Entspanntheit (eher als Normalzustand denn als Dauerzustand zu verstehen) und mentale Sicherheit in Situationen, in denen wir unter Druck sprechen müssen, gewährleisten auf Dauer den richtigen Stimmgebrauch. Infos und Übungen zum Thema Entspannung.

 

Kurz und schlecht: das schadet

Extrem heiße, kalte, scharfe oder saure Speisen und Getränke. Alkohol (am Tag der Stimmbelastung). Rauchen. Das alles greift die Stimmbänder an.

 

Was immer gut ist: GÄHNEN

Selbst in der höflichen Form des unterdrückten Gähnens ist dem Sprechenden gedient. Der Kehlkopf senkt sich, führt zu Ent-Spannung im Hals, die Stimmlippen werden befeuchtet, hilft gegen Austrocknen, Mund und Rachen werden weit, gute Resonanz und die Atmung geht in die Tiefe, bringt Tiefenentspannung. Vielleicht ändern diese Worte Ihre Einstellung zum Gähnen und Sie gähnen künftig befreit auf ....das wäre schon mehr als ein Anfang.

 

Sauna und heiß Inhalieren?

Ist nicht optimal am Vortag der Stimmbelastung oder am Tage selbst, weil der Saunabesuch den Wasserhaushalt durcheinanderbringt. Zur Entspannung sollten Sie also auf andere Möglichkeiten zurückgreifen. Mehr zu Entspannungstechniken.

 

Flüstern ist anstrengender als es "klingt"

Zum Schluss noch eine praktische Anmerkung für den Fall stimmlicher Erkrankung: Starke Heiserkeit, Halsentzündung oder ähnliches. Erstens: Es gilt immer noch: Nie räuspern, sondern kurz und kräftig husten. Zweitens: Nicht flüstern. Was wie eine Schonstimme klingt, ist in Wirklichkeit für den Stimmapparat doppelt anstrengend und daher wenig gesundheitsfördernd. Lieber leise, also ohne Anstrengung, oder gar nicht sprechen ...und einen Phoniater aufsuchen, bevor etwas kaputt geht.